
Sveltia CMS: Das Redaktionssystem, das einfach im Git-Repo lebt
Es gibt eine Sorte von Website, die eigentlich kein großes CMS braucht: die Firmenseite mit 30 Unterseiten, der Blog eines Teams, die Dokumentation, die Landingpage-Sammlung einer Kampagne. Statisch generiert ist sie schnell, sicher und praktisch wartungsfrei. Nur eine Frage bleibt offen – und sie entscheidet oft über das gesamte Setup: Wie pflegen Menschen die Inhalte, die kein YAML anfassen wollen?
Genau in diese Lücke zielt Sveltia CMS.
Was Sveltia CMS ist
Sveltia CMS ist ein quelloffenes, kostenloses Git-basiertes Headless-CMS für Jamstack-Projekte. Inhalte liegen weiterhin als Markdown-, YAML- oder JSON-Dateien im Repository; das CMS ist lediglich eine Oberfläche darauf. Es positioniert sich als vollständiger, moderner Rewrite von Netlify CMS – heute bekannt als Decap CMS, und wurde nicht als Fork, sondern von Grund auf neu mit Svelte gebaut.
Das Ergebnis ist bemerkenswert unspektakulär im besten Sinne: Git-Workflow, eine YAML-Konfigurationsdatei, eine über CDN ausgelieferte App – keine Datenbank, kein Server, kein Build-Tool nötig. Wer schon einmal ein WordPress mit Updates, Plugin-Konflikten und Backup-Strategie betreut hat, weiß, wie viel Arbeit in diesem Satz nicht steckt.
Der Kern: Inhalte gehören ins Repository
Der eigentliche Reiz liegt weniger im CMS selbst als in der Architektur dahinter. Wenn Inhalte Dateien im Git-Repo sind, gilt:
- Versionierung ist gratis. Jede Änderung ist ein Commit, jeder Fehler ein
git revert. - Review-Prozesse sind vorhanden. Pull Requests funktionieren für Texte genauso wie für Code.
- Kein Vendor-Lock-in. Die Inhalte gehören dir, in einem offenen Format, auf deiner Plattform.
- Nichts kann gehackt werden, was nicht läuft. Es gibt keine Serverkomponente, keine Datenbank, keine Angriffsfläche im Betrieb.
- Umzug ist trivial. Repository klonen, woanders deployen, fertig.
Das ist kein neues Versprechen – Netlify CMS hat es vor Jahren gegeben. Neu ist, dass es sich jetzt auch für Redakteure gut anfühlt.
Was Sveltia besser macht
Sveltia CMS entstand, weil die Entwicklung von Netlify CMS über längere Zeit stillstand und Kundenprojekte vor allem eines brauchten: bessere Mehrsprachigkeit. Statt zu forken, wurde die Anwendung neu gebaut. Die sichtbaren Konsequenzen:
Geschwindigkeit. Kein React-Ballast, kein Virtual DOM, ein deutlich kleineres Bundle. Die App startet schnell und bleibt es auch bei größeren Inhaltsbeständen – unter anderem, weil auf GitHub die GraphQL-API genutzt wird, um Einträge und Assets in einem Rutsch zu laden.
Mehrsprachigkeit als Grundfunktion. i18n ist nicht angeflanscht, sondern Teil des Datenmodells: Sprachversionen nebeneinander bearbeiten, Felder gezielt pro Locale pflegen, dazu KI-gestützte Übersetzung per Klick.
Digital Asset Management. Eine vollwertige Medienbibliothek statt eines Datei-Uploads, inklusive externer Speicherorte, Stock-Photo-Anbindung und eingebautem Bild-Optimizer.
Eine Oberfläche, die man benutzen mag. Dark Mode, Tastaturkürzel, echte Mobile- und Tablet-Unterstützung. Redigieren vom Handy aus ist kein Kompromiss mehr.
Backend-Vielfalt. Neben GitHub und GitLab werden auch Gitea und Forgejo unterstützt – relevant für alle, die ihre Repositories selbst hosten oder Daten bewusst in Europa halten wollen. Dazu kommt ein lokaler Workflow, mit dem sich Inhalte ohne Netzverbindung im Dateisystem bearbeiten lassen.
Migration von Netlify/Decap CMS
Der pragmatischste Aspekt: Sveltia ist bewusst kompatibel gehalten. In vielen Fällen reicht es, die eingebundene Script-Zeile auszutauschen; die bestehende config.yml wird weiterverwendet. Wie glatt das läuft, hängt vom Umfang der genutzten Features und Custom Widgets ab – aber der Einstieg kostet realistischerweise eine Stunde, nicht ein Sprint-Wochenende.
Wann es passt – und wann nicht
Passt gut, wenn:
- die Website statisch generiert wird (Astro, Eleventy, Hugo, Jekyll, Next.js, SvelteKit …),
- ein überschaubares Redaktionsteam Inhalte pflegt,
- Mehrsprachigkeit eine Rolle spielt,
- Betriebskosten und Wartungsaufwand niedrig bleiben sollen,
- Inhalte in Git nachvollziehbar versioniert sein sollen.
Passt eher nicht, wenn:
- Hunderte gleichzeitige Redakteure mit feingranularen Rollen arbeiten,
- Inhalte hochdynamisch sind oder aus fremden Systemen live kommen müssen,
- personalisierte Ausgabe pro Nutzer gefragt ist,
- ein Freigabe-Workflow mit mehreren Stufen und Audit-Anforderungen zwingend ist,
- das Team keinerlei Berührung mit Git haben soll.
Ein Detail, das man kennen sollte: Das Projekt bezeichnet sich weiterhin als Beta und wird im Wesentlichen von einer Person – Kohei Yoshino – vorangetrieben. Bugfixes kommen bemerkenswert schnell, aber wer ein Bus-Faktor-Argument im Auswahlprozess braucht, hat es hier. Dem gegenüber steht: Es ist Open Source, es läuft rein clientseitig, und die Inhalte liegen im eigenen Repo. Der Ausstieg ist damit deutlich billiger als bei einem klassischen CMS.
Setup in Kurzform
- Statische Seite aufsetzen (SSG deiner Wahl).
- Unter
/admin/eine schlanke HTML-Datei anlegen, die das CMS-Skript lädt. - Daneben eine
config.ymlmit Backend, Medienpfaden und Collections definieren. - Authentifizierung einrichten – GitHub-OAuth über einen kleinen Auth-Worker oder alternativ ein feingranulares Personal Access Token.
- Deployen. Ab jetzt wird jede redaktionelle Änderung zum Commit, jeder Commit zum Build.
Fazit
Sveltia CMS löst kein neues Problem, aber es löst ein altes deutlich besser. Wer eine statische Website betreibt und bisher zwischen „Redakteure schreiben halt Markdown im Editor" und „dann eben doch WordPress" gefangen war, bekommt hier eine dritte Option: eine moderne, schnelle Oberfläche ohne Serverbetrieb, ohne Datenbank, ohne monatliche Lizenz.
Der beste Test ist ohnehin der praktische. Ein bestehendes Repo, eine config.yml, ein Nachmittag – danach weißt du, ob es passt.